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Quereinstieg in den Vertrieb: Warum ich meinen Meisterbrief liegen gelassen habe
Kann ich ohne Erfahrung in den Vertrieb einsteigen?
Ja. Fast niemand in meinem Umfeld kommt aus dem Vertrieb, ich selbst auch nicht: Ich war Soldat, bin gelernter Hotelfachmann und Meister im Orthopädieschuhmacher-Handwerk. Was du brauchst, ist kein Lebenslauf, sondern eine ordentliche Einarbeitung und jemanden, der dich die ersten Wochen begleitet. Fehlt beides, wirst du zum Drücker oder hörst wieder auf.

200 Euro, die alles ausgelöst haben
Ich komme aus keiner Vertriebsfamilie. Bei mir zu Hause hat niemand von Provision gelebt. Man hatte einen Beruf, man ging arbeiten, Ende. Also habe ich das gemacht, was man macht: erst die Bundeswehr, dann Hotelfach, dann die Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher und der Meister obendrauf.
Dann kam in meinem Betrieb ein Geselle neu dazu. Frisch, langsamer als ich und schlechter in dem, was er tat. Der Unterschied zwischen seinem Lohn und meinem waren 200 Euro. 200 Euro für eine Meisterprüfung, für Verantwortung und für Arbeit, die sichtbar besser war.
Da ist bei mir etwas gekippt. Nicht aus Gier, ich fand es schlicht unfair. Ich wollte in ein Feld, in dem kein Titel zählt und keine Betriebszugehörigkeit, sondern nur das, was du leistest. So bin ich beim Direktvertrieb gelandet.
Wer im Angestelltenverhältnis mehr leistet, verdient nicht mehr. Er hat nur schneller Feierabend gemacht.
Der Umweg, den viele Quereinsteiger gehen
Angefangen habe ich in der Finanzdienstleistung. Ich habe dort gutes Geld verdient, und trotzdem hat es nicht gepasst. Am Küchentisch lief es nämlich immer gleich: Ich bin gegangen, und der Mensch hatte eine Rate mehr. Ich habe ihm Geld genommen, statt ihm welches zu bringen.
Damit wollte ich nicht alt werden. Also habe ich weitergesucht und bin bei Strom und Gas gelandet. Da war es genau andersherum: Ich gehe raus, und der Mensch hat mehr im Portemonnaie als vorher. Das ist bis heute der Grund, warum ich im Energievertrieb geblieben bin und nicht woanders.
Mein erster Tag im Vertrieb war eine Katastrophe
Meine Einarbeitung war ein Witz. Meinem damaligen Teamleiter war alles egal. Er hat mir einen Stapel Papieraufträge in die Hand gedrückt und gesagt: Siehst du da oben die Straße? Da sind Kunden. Schreib die. Das war es. Kein Produktwissen, kein Gespräch, keine Begleitung.
Und dann habe ich es genau so gemacht, wie es Leute machen, denen niemand etwas beibringt. Ich habe erzählt, wir klemmen ihnen den Strom ab, wenn sie nicht unterschreiben. Ich habe gesagt, sie müssten das jetzt machen. Es war wild, und es war falsch. Bis ich an den Richtigen geraten bin, der mich in den Senkel gestellt hat, und zwar so, dass ich es bis heute weiß.
Drücker fallen nicht vom Himmel. Drücker entstehen, wenn sich keiner kümmert.
Deshalb ist die wichtigste Frage beim Quereinstieg nicht, wie viel du verdienen kannst, sondern wer neben dir steht, wenn du das erste Mal klingelst. Ich schicke heute niemanden allein los. Ich gehe die ersten Gespräche mit und sage danach ehrlich, was ich gesehen habe.
Wie ich es doch noch gelernt habe: die 4 Fragen
Nach dieser Ansage habe ich mir ein kleines Buch in DIN A5 gekauft und bin damit von Haus zu Haus. Bei jedem Nein habe ich nachgefragt, warum. Nicht um noch einmal anzusetzen, sondern um es zu verstehen.
Die Leute haben geantwortet. Sie fühlten sich überrumpelt. Sie wussten nicht, wer da vor ihnen steht. Sie wussten nicht, worum es überhaupt geht. Aus diesen Antworten ist mein Gespräch entstanden. Es besteht bis heute aus 4 Fragen, die sich jeder Mensch an der Tür stellt.
- 01Wer bist du und von welcher Firma kommst du?
- 02Was ist das Problem?
- 03Wie sieht die Lösung aus?
- 04Und was machen wir jetzt?
80 Prozent der Leute wollten genau das wissen. Mehr nicht. Kein Trick, keine Masche, keine Formulierung aus einem Seminar. Mit diesem Gespräch habe ich in meinem besten Monat 250 Verträge geschrieben. Das ist meine Zahl und keine Erwartung an dich, aber sie zeigt, wie weit ein sauberes Gespräch trägt.
Kunde„Ja bitte?“
Du„Guten Tag, [dein Name] von der [Versorger] Strom- und Gasversorgung. Es geht einmal darum: In [Ort] sind bei einigen Haushalten die Preisgarantien ausgelaufen, oft ohne dass es auffällt. Bedeutet, man zahlt schnell 100 bis 200 Euro mehr, als man müsste. Holen Sie mal eben die letzte Jahresabrechnung, dann kann ich in 2 Minuten prüfen, ob das auch bei Ihnen der Fall ist.“
In diesen Sätzen stecken alle 4 Fragen: wer ich bin und von wem ich komme, was das Problem ist, wie die Lösung aussieht und was jetzt passiert. Deshalb muss der Kunde nicht nachfragen. Und am Ende steht kein Wenn und Aber, sondern eine klare Aufgabe.
Der Moment, der aus dem Job einen Beruf gemacht hat
Eine einzige Kundin hat dafür gesorgt, dass ich bis heute an diese Art von Vertrieb glaube. Eine ältere Dame mit Nachtspeicherheizung. Ich habe ihr im Jahr 800 Euro Energiekosten gespart. Für sie war das kein Rechenbeispiel, sondern Geld, das sie im Alltag gemerkt hat.
Sie hat meine Hand genommen und geweint und sich aus tiefstem Herzen bedankt. In dem Moment wusste ich: richtiger Ort, richtiges Produkt, richtiger Weg. Dafür mache ich das bis heute. Nicht für den Abschluss, für diesen Blick.
Was ich Quereinsteigern heute sage
Einwand
„Ich bin nicht der Typ dafür.“
Antwort
„Den Satz habe ich über mich selbst gesagt, und ich höre ihn seit 17 Jahren von Leuten, die es hinterher konnten. Es gibt nicht den einen Vertriebstyp. Der Laute ist nur der auffälligste, nicht der erfolgreichste.“
Warum das wirkt: Wer zuhören kann, ist im Gespräch oft stärker als der, der redet. Die meisten Menschen kaufen bei jemandem, der sie verstanden hat, nicht bei dem, der am schnellsten spricht.
Einwand
„Ich kann nicht verkaufen.“
Antwort
„Verkaufen ist Handwerk. Wie ein Gespräch an der Tür abläuft, kannst du lernen, dafür gibt es Videos, Bücher und mich. Was du nicht lernen kannst, ist der Entschluss, es überhaupt zu probieren.“
Warum das wirkt: Fast jeder, den ich in 17 Jahren getroffen habe, hätte das gekonnt. Die meisten haben es nie versucht, weil die Angst größer war als die Neugier.
Woran du einen schlechten Start erkennst
- Du bekommst am ersten Tag eine Straße statt einer Einarbeitung.
- Niemand geht die ersten Gespräche mit dir mit.
- Dir werden Sätze beigebracht, die den Kunden unter Druck setzen.
- Du sollst zuerst Freunde und Familie anschreiben.
- Man verspricht dir ein Einkommen, bevor dich jemand kennt.
Woran du einen guten Start erkennst
- Du lernst zuerst das Produkt und den Kunden, dann die Straße.
- Jemand geht mit und sagt dir hinterher, was er gesehen hat.
- Du darfst Nein kassieren, ohne dass jemand die Augen verdreht.
- Du sprichst mit fremden Menschen, nicht mit deinem Adressbuch.
- Über Geld wird gerechnet, nicht geschwärmt.
01
Prüf dich selbst, nicht das Angebot
Frag dich, ob du bereit bist, 4 Wochen lang Nein zu hören, ohne es persönlich zu nehmen. Alles andere lernst du unterwegs.
02
Such dir den Menschen, nicht die Firma
Am Anfang entscheidet nicht das Produkt, sondern wer dich einarbeitet. Frag im Gespräch: Wer geht die ersten Türen mit mir?
03
Fang klein an
2 Abende in der Woche reichen für den Start. Du musst nichts kündigen und nichts investieren, um herauszufinden, ob es zu dir passt.
04
Zähl deine Gespräche, nicht dein Gefühl
Ein schlechter Abend sagt nichts. 20 Gespräche sagen alles. Erst danach weißt du, woran du bist.
Häufige Fragen
Kann ich als Quereinsteiger ohne Ausbildung im Vertrieb anfangen?
Ja. Im Energievertrieb brauchst du keine kaufmännische Ausbildung und kein Studium. Die meisten, mit denen ich arbeite, kommen aus Handwerk, Gastronomie, Pflege oder direkt von der Schule. Entscheidend ist, dass dich jemand einarbeitet und die ersten Gespräche begleitet.
Geht der Einstieg auch nebenberuflich?
Ja. 2 Abende in der Woche reichen, um anzufangen, denn an der Haustür ist am späten Nachmittag und am frühen Abend ohnehin am meisten los. Deinen Job behältst du so lange, bis du selbst sagst, dass du ihn nicht mehr brauchst. Unter etwa 10 Stunden in der Woche findest du allerdings keinen Rhythmus.
Was verdient man im Energievertrieb?
Du bekommst eine feste Provision pro Vertrag, nach oben ohne Deckel. Eine Zahl nenne ich auf einer Website bewusst nicht, weil jede Zahl dort ein Versprechen wäre, das niemand halten kann. Im Gespräch rechnen wir es mit deiner Stundenzahl und echten Werten zusammen aus.
Kostet mich der Einstieg etwas?
Nein. Es gibt kein Startpaket, keine Kursgebühr und keine Lizenz. Ich verkaufe keine Ausbildung.
Muss ich Freunde und Familie anschreiben?
Nein. Keine Namenslisten, kein Abarbeiten des Adressbuchs, keine Nachrichten an alte Klassenkameraden. Du erzählst, was du machst, und wer will, kommt von selbst auf dich zu. Die anderen Wege sind Empfehlungen, eingehende Anfragen und die Haustür.
Muss ich an Türen klopfen?
Nein. Es gibt 4 Wege, an Kunden zu kommen: Empfehlungen, eingehende Anfragen, Leute die von selbst auf dich zukommen, und die Haustür. Ich komme von der Haustür und kann sie dir beibringen, wenn du das willst. Entschieden wird das nach dir, nicht nach mir.
Ist Vertrieb an der Haustür überhaupt seriös?
Es kommt darauf an, wer dahintersteht. Ein Drücker redet, bis unterschrieben wird. Ich erkläre, bis verstanden wird. Bei meinen eigenen Abschlüssen liegt die Stornoquote bei 0,5 Prozent, weil die Leute 2 Wochen später immer noch wussten, was sie unterschrieben haben.
Wie alt ist man für den Einstieg zu alt?
Gar nicht. Ich habe selbst mit über 30 noch einmal von vorn angefangen, nach 3 Berufen. An der Tür hilft Lebenserfahrung mehr, als sie schadet.
Veröffentlicht am 12.09.2026
Fragen, die hier nicht stehen?
Dann stell sie mir direkt. 30 Minuten Klartext, danach weißt du, woran du bist. Wenn du erst zuschauen willst, fang im Kanal an: dort schreibe ich mit, was im Alltag an der Tür wirklich passiert.